Die Stufen der KI: von Copy-Paste bis zur eigenständigen KI
Fünf Stufen hat die KI — da sind sich laut Martin Jäger eigentlich alle einig. Stufe eins war Copy and Paste und ist längst Vergangenheit, ganz oben gründet die KI irgendwann eigene Firmen. Und wir? Wir stecken meist irgendwo dazwischen fest, weil wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen. Diese Übersicht ordnet ein.

Warum es hilft, die Stufen der KI zu kennen
Bevor wir die Stufen durchgehen, kurz das Wichtigste vorweg: Die meisten stecken nicht fest, weil KI zu kompliziert wäre, sondern weil sie sich nicht entscheiden können. Claude oder ChatGPT oder Gemini, dann kommt noch Mistral aus der EU dazu — und am Ende macht man halt nichts. Martin Jäger nennt das analytische Lethargie: Man analysiert sich in die Bewegungslosigkeit. Und genau da hilft die Landkarte. Wenn du weißt, welche fünf Stufen es gibt und wo du gerade stehst, wird aus dem großen, diffusen Thema KI ein konkreter nächster Schritt.
Jägers Haltung dazu ist unbequem, aber ehrlich: Ganz viele haben die letzten drei Jahre nicht genutzt. Darüber kannst du dich jetzt ärgern, bringt dir halt nichts. Er zitiert gern ein chinesisches Sprichwort — der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren, der zweitbeste ist heute. Wer lieber mit anderen Unternehmern statt allein einsteigt, findet den Rahmen dafür in der KI-Weiterbildung der OGcon.
Die fünf Stufen der KI im Überblick
Martin Jäger teilt die Entwicklung in fünf Epochen ein — von ganz banal bis ziemlich beunruhigend. So sehen sie in Kurzform aus:
- 1Stufe 1 – Copy and Paste: Die KI schreibt einen Text, du überträgst ihn von Hand ans Ziel — etwa einen Beitrag nach LinkedIn, ein Bild dazu, absenden. Diese Ära ist laut Jäger schon Vergangenheit.
- 2Stufe 2 – Reasoning: Die KI bekommt einen Nachdenk- und Prüfschritt, sozusagen einen kleinen Wissenschaftsfilter, der ihre erste Antwort hinterfragt, bevor sie bei dir ankommt.
- 3Stufe 3 – agentische KI: Die KI tut Dinge selbst: Sie schreibt, loggt sich ein, sucht ein Bild, postet und trägt das Ergebnis hinterher noch in eine Tabelle ein.
- 4Stufe 4 – Innovation und Kreativität: Die KI wird nicht nur schneller, sondern flächendeckend kreativer und innovativer — eine Stufe, die es so noch nicht gibt.
- 5Stufe 5 – die eigenständige KI: Die KI gründet eigene Organisationen und Firmen. Hier, sagt Jäger offen, sollte uns durchaus etwas mulmig werden.
Die ersten drei erlebst du heute schon im Alltag, die letzten beiden zeichnen sich erst ab. Gehen wir sie einmal der Reihe nach durch.

Von Copy-and-Paste zu Reasoning: Stufe 1 und 2
Stufe eins kennt jeder, der schon mal einen Text hat umschreiben lassen. Du sagst: Guck mal, hier ist mein Text, mach mir daraus einen LinkedIn-Beitrag. Dann per Du, mach ihn mal länger, mach ihn mal kürzer. Und am Ende kopierst du das Ergebnis selbst wieder rüber, klickst ein Bild dazu und drückst auf Senden. Nützlich, aber die ganze Handarbeit liegt weiter bei dir.
Die zweite Stufe, das Reasoning, ändert etwas Grundsätzliches. Vorher war die KI wie ein sehr gefälliger Gesprächspartner: Fragst du provokant „Joe Biden ist doch amerikanischer Präsident?“, dann will sie dir gefallen und gibt dir recht. Beim Reasoning sitzt jetzt sozusagen eine zweite Instanz in der Mitte, die vor der Antwort prüft: Ist das eigentlich belegbar? Steht das in Wikipedia, in den Nachrichten? Und dann kommt eben zurück: Nein, aktuell ist Donald Trump Präsident, überprüf das noch mal. Diese Nachdenkprozesse machen die Antworten spürbar verlässlicher.
Stufe 3: agentische KI, die selbst handelt
Ab Stufe drei wird es interessant, denn jetzt tut die KI Dinge, statt nur zu antworten. Du sagst dem Agenten: Schreib mir einen LinkedIn-Beitrag. Und dann schreibt er ihn nicht nur, sondern loggt sich bei LinkedIn ein, sucht sich ein passendes Bild raus, postet den Beitrag und trägt dir danach noch in eine Tabelle ein, was er wann gepostet hat. Das Entscheidende ist dieses Multimodale: Der Agent springt selbstständig zwischen den Werkzeugen hin und her, von der Idee über die Plattform bis in die Tabelle.
Wie so ein Agent im Kern funktioniert und wo der Unterschied zum normalen Chatbot liegt, steht ausführlich im Beitrag zur agentischen KI — hier reicht die Einordnung: Stufe drei ist die erste, auf der die KI dir echte Arbeitsschritte abnimmt, nicht nur einzelne Antworten. Für viele Unternehmen ist genau das gerade der realistische nächste Schritt; wo KI im Betrieb überall andockt, zeigt der Themen-Guide KI im Unternehmen.
Stufe 4 und 5: Kreativität und die selbstständige KI
Die vierte Stufe ist die, an der wir uns Menschen am liebsten festhalten: Kreativität und Innovation seien doch unser Ding, die KI könne ja nur wiederholen, was sie schon kennt. Jäger widerspricht da bewusst provokant. Geh mal an die Universitäten, sagt er, und schau, ob dort wirklich ständig komplett Neues entsteht — oder überwiegend das, was ohnehin schon in Büchern steht. Wirklich kreative Menschen seien selten, der Mainstream sei es gerade nicht. Auf Stufe vier wird die KI also flächendeckend kreativer und innovativer, als wir es im Schnitt sind. Diese Stufe gibt es so noch nicht, aber sie zeichnet sich ab.
Und Stufe fünf? Da gründet die KI eigene Organisationen und Firmen. Jäger hält das nicht für reine Science-Fiction: In Deutschland lassen sich seiner Aussage nach seit 2024 tokenisierte Gesellschaften aufsetzen, bei denen Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse über Token gesteuert werden — die technische Grundlage für eine KI-geführte Firma sei damit im Prinzip da. Seine persönliche Prognose: In rund zehn Jahren sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir alle in irgendeiner Form für KIs arbeiten. Man muss diese Einschätzung nicht teilen, aber sie zeigt die Richtung.
Sein Bild dafür ist die Kutsche: Wir stehen gerade in der Epoche, in der aus dem Kutschenbau das Automobil wird. Noch haben wir ein, zwei Jahre, um sozusagen selbst den Motor zusammenzuschrauben. Nur wer in zwei Jahren immer noch sagt „ich mache Kutsche“ und nichts Neues lernen will, hat ein Problem. Technologie, sagt Jäger, kannst du nicht aufhalten — die Tür zumachen hilft nicht. Sein Fazit ist simpel: Tun, nicht analysieren, nicht ewig lamentieren.
Wo fängst du also an? Nicht bei Stufe fünf, sondern bei der Stufe direkt über deiner heutigen. Nutzt du KI noch per Copy and Paste, ist der nächste Schritt, sie einmal wirklich prüfen und nachdenken zu lassen — wie das mit guten Eingaben gelingt, steht im Beitrag Richtig prompten. Der Sprung passiert schrittweise, nicht per Knopfdruck.

Häufige Fragen
Was sind die Stufen der KI?+
Martin Jäger beschreibt fünf Stufen: (1) Copy and Paste, bei der man Texte von Hand überträgt, (2) Reasoning mit einem prüfenden Nachdenkschritt, (3) agentische KI, die Aufgaben selbst ausführt, (4) Innovation und Kreativität, bei der KI flächendeckend kreativer wird, und (5) die eigenständige KI, die eigene Organisationen gründet.
Was ist der Unterschied zwischen Reasoning und agentischer KI?+
Reasoning (Stufe 2) verbessert die Qualität der Antwort, indem ein zusätzlicher Prüfschritt kontrolliert, ob sie belegbar ist. Agentische KI (Stufe 3) geht weiter: Sie führt Handlungen selbst aus – etwa einen Beitrag schreiben, posten und dokumentieren – und springt dabei zwischen mehreren Werkzeugen.
Auf welcher Stufe der KI stehen die meisten Unternehmen?+
Die ersten drei Stufen sind heute im Alltag verfügbar. Viele Unternehmen nutzen KI noch auf Stufe 1 oder 2, also überwiegend zum Erstellen und Prüfen von Texten. Der realistische nächste Schritt ist für viele die agentische KI, bei der die KI ganze Arbeitsschritte übernimmt.
Wird KI wirklich eigene Firmen gründen?+
Das ist die fünfte und noch nicht erreichte Stufe. Martin Jäger verweist darauf, dass sich in Deutschland seit 2024 tokenisierte Gesellschaften aufsetzen lassen, deren Entscheidungen über Token gesteuert werden – die technische Grundlage dafür sei damit vorhanden. Es handelt sich um seine Einschätzung der Entwicklung, nicht um einen heutigen Regelfall.
Wie komme ich auf die nächste KI-Stufe?+
Indem man nicht zu lange plant, sondern anfängt: die eigene aktuelle Stufe bestimmen, eine konkrete wiederkehrende Aufgabe wählen, ein Werkzeug festlegen und es damit ausprobieren. Aus den Ergebnissen lernt man und geht den nächsten Schritt – Veränderung passiert schrittweise.
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