OGcon
Ratgeber
09. Oktober 2025

Agentische KI erklärt: Wenn KI ganze Aufgaben übernimmt

Bekommst du auch einfach zu viele E-Mails – und schiebst das Aufräumen im Postfach seit Wochen vor dir her? Was wäre, wenn du eine E-Mail nur noch kurz markierst und der Rest von ganz allein läuft: einordnen, beschriften, Antwort entwerfen, Zusammenfassung raus? Genau das ist letztendlich agentische KI – kein Chatbot, der auf einen Prompt eine Antwort gibt, sondern ein Assistent, der eine ganze Aufgabe eigenständig über mehrere Schritte hinweg übernimmt, und zwar so, wie [Fabian Zentel](/speaker/fabian-zentel) es an seinem eigenen E-Mail-Assistenten zeigt.

Agentische KI erklärt – digitaler KI-Assistent sortiert und bearbeitet E-Mails selbstständig

Was agentische KI vom klassischen Chatbot unterscheidet

Ein klassischer Chatbot – also so ein ganz normales ChatGPT-Fenster – wartet auf eine Frage und liefert eine Antwort, ein Prompt rein, eine Antwort raus, und dann ist erstmal wieder Ruhe, bis der nächste Prompt kommt. Agentische KI ist eigentlich etwas anderes: Da bekommt das System einmal eine Aufgabe übertragen, und dann arbeitet es die sozusagen selbstständig über mehrere Schritte ab, prüft, entscheidet, macht weiter, ohne dass für jeden einzelnen Zwischenschritt nochmal ein neuer Prompt nötig wäre. Fabian Zentel, der sich bei Zen Agent Labs mit genau solcher KI-Automatisierung beschäftigt, bringt es eigentlich ganz einfach auf den Punkt: Es geht um einen digitalen Assistenten, der Aufgaben automatisch und zuverlässig erledigt – vorfiltert, vorsortiert, Entwürfe schreibt, Zusammenfassungen erstellt, und zwar Schritt für Schritt, ohne dass jemand daneben sitzen und mitklicken muss.

Und dann macht Zentel gleich noch einen ehrlichen Disclaimer hinterher: Ist wirklich jeder Workflow, der gerade als "KI-Agent" durchgeht, auch ein vollwertiger Agent im engeren Sinne? Streng genommen eigentlich nicht. Die formale Definition sagt, ein KI-Agent sei ein softwarebasiertes System auf Basis künstlicher Intelligenz, das autonome Aufgaben erledigt, Entscheidungen trifft und dazulernt – aber für die meisten Unternehmer reicht letztendlich eine einfachere Frage: Übernimmt das System eine Aufgabe wie ein Assistent oder Helferlein, ganz praktisch, zum Beispiel beim Aufräumen des E-Mail-Postfachs?

Das Beispiel: ein E-Mail-Assistent, der mehrere Aufgaben in einem Zug erledigt

Wie sieht das jetzt konkret aus? Zentels Beispiel-Workflow für die E-Mail-Inbox zeigt es eigentlich ganz anschaulich: Der Assistent bekommt zuerst eine Rolle vorgegeben, er ist sozusagen der "Assistent für die E-Mail-Klassifizierung", und soll eingehende E-Mails in Kategorien einsortieren, dabei seine Sicherheit bei der Einordnung angeben und kurz begründen, warum er sich für genau diese Kategorie entschieden hat. Und je nach Kategorie folgen danach automatisch ganz unterschiedliche nächste Schritte – das ist letztendlich der entscheidende Unterschied zu einem einzelnen Prompt, denn eine Aufgabe ist hier sozusagen der Domino-Stein, der die nächste ganz von selbst in Bewegung setzt.

  • Anfragen und Support-Anfragen: Der Assistent schreibt direkt einen Antwortentwurf, der als Gmail-Entwurf zur passenden E-Mail abgelegt wird – zum Versenden freigeben oder anpassen, verschickt wird nichts automatisch.
  • Newsletter: Statt der ganzen Mail bekommt Zentel eine kurze Zusammenfassung automatisch per Slack zugeschickt.
  • Action Points: Für To-dos und Aufgaben, die aus einer E-Mail hervorgehen, verschickt der Assistent eine Erinnerung als Slack-Nachricht.
  • Automatische Beschriftung: Jede E-Mail wird zusätzlich in Gmail mit dem passenden Kategorie-Label versehen, sodass sie sich später schnell wiederfinden lässt.

Und in der Praxis? Reicht es eigentlich, eine E-Mail im Postfach einmal kurz mit einem Label wie "KI-Agent" zu versehen – und der Rest läuft automatisch, einordnen, entwerfen oder zusammenfassen, beschriften, ohne dass man selbst nochmal Hand anlegen muss. Genau dieses Zusammenspiel aus mehreren Schritten, die eigentlich aufeinander aufbauen, macht letztendlich den Unterschied zu einem einzelnen Prompt aus, bei dem ja jeder Schritt für sich einzeln angestoßen werden müsste.

Unterschied zwischen einem klassischen Chatbot und einem agentischen KI-Assistenten

Warum der Mensch am Anfang und am Ende die Kontrolle behält

Liest der Assistent jetzt einfach jede E-Mail mit, die im Postfach ankommt? Nein – und das ist eigentlich ein zentraler Punkt in Zentels Aufbau: Er liest grundsätzlich nur die E-Mails, die vorher bewusst mit einem Label markiert wurden, alles andere bleibt außen vor. Der Grund dafür ist letztendlich Kontrolle darüber, welche Daten überhaupt in die Automatisierung hineingehen, und ein Stichwort dazu ist natürlich DSGVO-Konformität. E-Mails, die nicht markiert werden, bearbeitet Zentel entweder selbst, oder er löscht sie direkt, und dann geht ihr Inhalt eben auch nicht an ein KI-Modell.

Und am Ende der Kette? Bleibt der Mensch genauso eingebunden wie am Anfang: Antwortentwürfe werden bewusst nicht automatisch verschickt, sondern erstmal nur als Entwurf abgelegt, und Zentels ausdrückliche Empfehlung ist, das eben nicht blind durchlaufen zu lassen und Antworten automatisch verschieben oder posten zu lassen – der Mensch soll die Ergebnisse letztendlich noch anpassen und kontrollieren können, bevor überhaupt irgendetwas nach außen geht.

Zum Datenschutz ordnet Zentel ein: Das von ihm genutzte Automatisierungstool n8n ist sozusagen ein deutsches Unternehmen und hostet die Daten in Deutschland, inklusive der nötigen Rahmenbedingungen für DSGVO-Konformität wie einem Auftragsverarbeitungsvertrag. Wer zusätzlich externe KI-Anbieter wie ChatGPT oder andere KI-Tools einbindet, muss die Datenschutzvereinbarungen mit diesen Anbietern separat prüfen.

Wo sich das Prinzip agentischer KI sonst noch einsetzen lässt

Nur E-Mails? Für Zentel ist der E-Mail-Assistent eigentlich nur ein Anwendungsfall unter vielen, an denen sich das Prinzip agentischer KI zeigen lässt, und dasselbe Muster – eine Aufgabe übernehmen, mehrere Schritte selbstständig abarbeiten, am Ende ein verwertbares Ergebnis liefern – funktioniert nach seiner Erfahrung eben auch bei der Content-Erstellung, wo ein eingesprochener Gedanke im Hintergrund zu einem fertigen Text ausformuliert wird, und genauso bei der Vorfilterung unkoordiniert eingehender Bestellungen, bei ersten Finanzauswertungen oder im Kundensupport. Wichtig ist dabei laut Zentel eigentlich weniger das einzelne Tool als das Grundprinzip dahinter: kleine, klar abgegrenzte Aufgaben an einen Assistenten übergeben, der sie im Hintergrund erledigt, während die eigentliche Entscheidung sozusagen beim Menschen bleibt.

Und wie baut man sowas jetzt? Zentel baut solche Assistenten Schritt für Schritt mit dem Automatisierungstool n8n, das einzelne Arbeitsschritte als sogenannte "Nodes" auf einer Oberfläche miteinander verknüpft, vom Auslöser über die KI-Analyse bis hin zur Aktion in Gmail oder Slack – und alternative Tools mit ähnlichem Funktionsumfang sind laut Zentel etwa Zapier, Make oder Lindy. Wie sich so ein Workflow im Detail technisch aufbauen lässt, ist eigentlich schon wieder ein eigenes, technischeres Thema für sich; entscheidend für das Verständnis von agentischer KI ist an dieser Stelle vor allem das Konzept dahinter, mehrstufige Aufgabenübernahme statt Antwort auf einen einzelnen Prompt.

Workflow eines agentischen KI-E-Mail-Assistenten: einordnen, beschriften, entwerfen, zusammenfassen

Häufige Fragen

Was ist agentische KI?+

Agentische KI ist eine KI, die nicht nur auf einen einzelnen Prompt antwortet, sondern eine ganze Aufgabe eigenständig über mehrere Schritte hinweg übernimmt – etwa prüfen, einordnen, entscheiden und handeln, ohne dass jeder Zwischenschritt einzeln angestoßen werden muss.

Was ist der Unterschied zwischen einem Chatbot und einem KI-Agenten?+

Ein klassischer Chatbot liefert auf eine einzelne Frage eine einzelne Antwort. Ein KI-Agent bzw. agentischer Assistent bekommt dagegen eine Aufgabe übertragen und arbeitet mehrere aufeinander aufbauende Schritte selbstständig ab, etwa eine E-Mail einordnen, beschriften und dazu direkt einen Antwortentwurf schreiben.

Wie funktioniert ein KI-Assistent für E-Mails konkret?+

Im Beispiel von Fabian Zentel wird eine E-Mail im Postfach mit einem Label markiert. Ein KI-Agent liest sie dann, ordnet sie einer Kategorie zu, vergibt in Gmail das passende Label und löst je nach Kategorie automatisch die nächste Aktion aus – etwa einen Antwortentwurf bei Anfragen oder eine Zusammenfassung per Slack bei Newslettern.

Ist agentische KI DSGVO-konform einsetzbar?+

Das hängt vom eingesetzten Tool und Anbieter ab. Fabian Zentel nutzt für seine Automatisierungen n8n, ein deutsches Unternehmen, das Daten in Deutschland hostet und die nötigen Rahmenbedingungen wie einen Auftragsverarbeitungsvertrag bietet. Bei zusätzlich eingebundenen KI-Anbietern müssen die jeweiligen Datenschutzvereinbarungen separat geprüft werden.

Verschickt ein KI-Agent E-Mails automatisch, ohne dass ich sie sehe?+

Im gezeigten Aufbau nicht: Antwortentwürfe werden nur als Entwurf in Gmail abgelegt, nicht automatisch versendet. Fabian Zentel empfiehlt ausdrücklich, Ergebnisse nicht blind durchlaufen zu lassen, sondern vor dem Versand zu kontrollieren und bei Bedarf anzupassen.

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