Podcast mit KI erstellen: Vom Konzept zum Launch
Braucht man für einen Podcast mit KI eigentlich noch Wochen an Vorlaufzeit? Nein, braucht man nicht. [Tom Kaules](/speaker/tom-kaules) kommt heute nach eigener Aussage von der ersten Idee bis zur fertigen Episode in anderthalb bis zwei Stunden – ChatGPT übernimmt dabei Themenfindung, Hörer-Avatar, Namen, Redaktionsplan und Episoden-Skript, Audacity und Orphonic erledigen Aufnahme und Postproduktion. Das heißt konkret: Was früher ein bis zwei Wochen gefressen hat, ist heute ein Nachmittag.

Schritt 1: Konzept und Hörer-Avatar mit ChatGPT entwickeln
Technik zuerst? Nicht bei Kaules. Er startet mit einem Rollen-Prompt: ChatGPT wird zum "erfolgreichsten Podcast-Coach der Welt" und bekommt Eckdaten zum geplanten Podcast, das heißt Thema, Anzahl der Sprecher, ob es Interviewgäste geben soll. Fertige Antworten will er dabei gar nicht sofort – stattdessen lässt er die KI gezielt Rückfragen stellen, zur Spezifizierung des Themas, zur Zielsetzung, zum Alleinstellungsmerkmal. Und wer selbst keine Idee hat? Laut Kaules reicht ein simples "keine Ahnung, mach mir Vorschläge", schon liefert die KI konkrete Optionen statt Denkblockaden.
Direkt im Anschluss entsteht der Hörer-Avatar. Und zwar nicht irgendein grobes Zielgruppen-Klischee, sondern der ideale Zuhörer mit demografischen Merkmalen wie Alter, Standort und Bildungsstand sowie psychografischen Merkmalen wie Interessen und Herausforderungen. Dieser Avatar ist danach die Grundlage für so ziemlich alles Weitere, das heißt: Themenwahl, Sprache und Marketing richten sich fortan nach ihm. Ergänzend lässt Kaules ChatGPT als Online-Marketing-Experte die konkreten Schmerzpunkte der Zielgruppe herausarbeiten, auf denen später der Lead-Magnet aufbaut.
Praxis-Tipp aus dem Vortrag, den man sich merken sollte: ChatGPT lässt sich auch bitten, ein zuvor erstelltes Ergebnis aus Sicht des eigenen Avatars zu kritisieren. Krass, wie gut das funktioniert – so entsteht eine Feedback-Schleife, bei der die KI sich selbst gegenprüft, und zwar ganz ohne verletzte Eitelkeiten.
Schritt 2: Name, Cover, Intro und Jingle festlegen
Für den Podcastnamen lässt sich Kaules zehn Vorschläge machen, die zum Thema und zum Avatar passen, und wählt den Namen aus, bei dem sofort klar ist, worum es geht. Fürs Cover-Artwork wechselt der Rollen-Prompt komplett: Jetzt wird die KI zur Grafikdesign-Expertin. Ist das Cover damit schon fertig? Fast, aber ein Problem taucht so gut wie immer auf: Schrift auf generierten Grafiken wird oft fehlerhaft dargestellt, weil die Bild-KI Buchstaben als Form statt als Text interpretiert. Kaules' Lösung dafür – entweder im Prompt explizit "ohne Schrift" verlangen und die Beschriftung später in Canva ergänzen, oder das generierte Motiv als Vorlage an einen Freelancer auf Plattformen wie Fiverr geben.
Intro und Outro entstehen über einen weiteren Prompt: ChatGPT liefert zehn kurze Textvorschläge, 10 bis 30 Wörter fürs Intro, 30 bis 80 Wörter fürs Outro inklusive Call-to-Action. Für den fertigen Jingle nimmt Kaules den Text mit dem kostenlosen Programm Audacity als Sprachspur auf, lädt passende lizenzfreie Musik von einer Plattform wie Pixabay Music herunter und legt beide Spuren übereinander. Lautstärke angleichen, ein-/ausblenden, fertig – mehr braucht's nicht. Wer diesen Schritt komplett der KI überlassen will, kann laut Kaules auch spezialisierte Jingle-Tools nutzen, die Sprachaufnahme und Musik automatisch mischen.

Schritt 3: Redaktionsplan und Episoden-Skript erstellen
Mit einem einzigen Prompt lässt sich ein kompletter Redaktionsplan für die ersten 30 Episoden erstellen, der sich an den zuvor definierten Schmerzpunkten des Avatars orientiert. Für die restlichen Wochen des Jahres folgt ein zweiter Prompt mit einer Episode pro Woche. Wie war das eigentlich 2012, als Kaules selbst angefangen hat? Tage- bis wochenlange Arbeit für einen einzigen Jahres-Redaktionsplan, sagt er selbst dazu – Alter, was für ein Unterschied zu heute, wo derselbe Plan in wenigen Minuten steht.
- Episoden-Skriptvorlage: Ein Standard-Aufbau (Begrüßung, Themenüberblick, kurzer Hinweis auf den Lead-Magneten, Hauptteil), der für jede Episode wiederverwendet wird und dem Hörer Wiedererkennbarkeit gibt.
- Erste Episode ausformulieren: Die KI schreibt das Skript so, wie man spricht, nicht wie man schreibt – das lässt sich im Prompt explizit einfordern, damit sich der Text beim Vorlesen nicht abgelesen anhört.
- Umfang steuern: Über die Wörtervorgabe im Prompt (zum Beispiel 1500 Wörter für rund zehn Minuten Sprechzeit) lässt sich die Episodenlänge gezielt festlegen.
Schritt 4: Aufnehmen und Postproduktion mit KI-Unterstützung
Die eigentliche Aufnahme läuft bei Kaules über die kostenlose Software Audacity: Aufnahme starten, Episode einsprechen, bei Versprechern die Passage markieren und löschen, danach als MP3 exportieren. Braucht man dafür teures Equipment? Ganz ehrlich, nein. Kaules hat eigenen Angaben zufolge seine ersten 30 bis 50 Episoden mit einem 20-Euro-Headset aufgenommen und empfiehlt für bessere Qualität lediglich ein dediziertes USB-Mikrofon im Bereich von 50 bis 160 Euro.
Welcher Schritt spart am meisten Zeit? Ganz klar die Postproduktion. Statt Lautstärkeschwankungen manuell mit dem Hüllkurven-Werkzeug in Audacity anzugleichen, lässt Kaules die Rohaufnahme über den Dienst Orphonic laufen – die KI gleicht Lautstärke-Sprünge automatisch aus, sodass leise und laute Passagen für den Hörer angenehm klingen, ohne dass von Hand nachgebessert werden muss. Fast schon Hausaufgaben-Delegation: Nach eigener Aussage nutzt Kaules dieses automatisierte Mastering seit Jahren für seinen eigenen Podcast.

Schritt 5: Erste Episode veröffentlichen
Vor dem eigentlichen Launch lässt sich auch die Veröffentlichungsstrategie per Prompt entwickeln, aufgeteilt in die Phasen vor, während und nach dem Launch. Vor dem Start empfiehlt Kaules Teaser-Inhalte auf den eigenen Social-Media-Kanälen sowie Gastauftritte in anderen Podcasts, um auf den Launch aufmerksam zu machen. Und die Taktung danach? Ganz genau festgelegt: die ersten 30 Episoden im ersten Monat täglich veröffentlichen, um schnell Sichtbarkeit und Reichweite aufzubauen, danach auf einen wöchentlichen Rhythmus wechseln.
Für den Feinschliff nach der Aufnahme empfiehlt Kaules zusätzlich, mit KI-Tools automatisch Show Notes samt Timestamps und relevanten Keywords sowie Social-Media-Beiträge aus der fertigen Episode zu erzeugen. Spart bei jeder einzelnen Folge Zeit, ganz ohne Diskussion. Wie sich ein Podcast anschließend über Lead-Magnete, eigene Produkte oder Sponsoring monetarisieren lässt, ist ein eigenes, größeres Thema für sich.
Kaules' Empfehlung aus der Praxis: Nicht sofort ein ganzes Jahr an Episoden durchproduzieren. Den ersten Monat vorproduzieren, dann Pause machen, Hörerfeedback einholen und die Folgeepisoden danach ausrichten. So bleibt die Planung flexibel.

Häufige Fragen
Wie erstelle ich einen Podcast mit KI?+
In fünf Schritten: Konzept und Hörer-Avatar mit ChatGPT entwickeln, Name/Cover/Intro/Jingle erstellen, Redaktionsplan und Episoden-Skript generieren, mit Audacity aufnehmen und die Postproduktion per KI-Tool automatisieren, dann die erste Episode nach Launch-Strategie veröffentlichen.
Welche KI-Tools braucht man, um einen Podcast zu erstellen?+
Laut Tom Kaules reichen für den Einstieg ChatGPT (Konzept, Skripte, Redaktionsplan), die kostenlose Aufnahmesoftware Audacity sowie ein KI-Mastering-Dienst wie Orphonic für die automatisierte Postproduktion.
Wie lange dauert es, einen Podcast mit KI zu erstellen?+
Nach Kaules' Erfahrung lässt sich das komplette Konzept – von der Themenfindung bis zum fertigen Redaktionsplan – heute in anderthalb bis zwei Stunden erstellen. Vor KI-Unterstützung hat derselbe Prozess ein bis zwei Wochen gedauert.
Welches Mikrofon braucht man für den Einstieg?+
Ein einfaches USB-Mikrofon im Bereich von 50 Euro reicht laut Kaules für den Einstieg völlig aus. Er selbst hat seine ersten Episoden sogar mit einem einfachen Headset aufgenommen, bevor er auf ein besseres Mikrofon umgestiegen ist.
Wie oft sollte ich am Anfang neue Episoden veröffentlichen?+
Kaules empfiehlt für den Launch eine tägliche Episode im ersten Monat, um schnell Reichweite aufzubauen, und danach den Wechsel auf einen wöchentlichen Rhythmus. Den ersten Monat sollte man vorproduzieren, aber nicht gleich das ganze Jahr, um flexibel auf Hörerfeedback reagieren zu können.
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